IT security and other aweful matters

Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Competitive Intelligence – zwischen Markbeobachtung und Industriespionage

Vor ein paar Tagen berichtete die Süddeutsche Zeitung in ihrem Wirtschaftsteil über die Etablierung eines neuen Wirtschaftszweigs, der in Deutschland vom deutschen competitive intelligence forum e.v. vertreten wird. In diesem Forum treffen sich Spezialisten der Informationsbeschaffung über Wettbewerber. Das Forum legt großen Wert darauf festzustellen, dass nur legale Methoden angewandt werden, und dass die Mitglieder keine Industriespionage betreiben.

Das muss wohl gesagt werden. Für jeden Betrieb heißt das, IT-Sicherheit und Wirtschaftsdatenschutz ernst zu nehmen. Denn wenn es soweit ist, dass die Profis der Informationsbeschaffung sich in einem Verein organisieren und an die Öffentlichkeit treten, dann ist das Auskunden der Konkurrenz keine vereinzelte Aktion besonders rüder Konkurrenten, sondern recht weit verbreitet.

Und es wäre naiv zu glauben, dass die manchmal unscharfe Grenze zwischen legalen Mitteln der Auskunftsbeschaffung und nicht mehr legalen Methoden von allen Akteuren eingehalten wird. Wo ist die Grenze, wenn etwa der Mailverkehr zwischen Auftraggeber und Marketing-Dienstleister unverschlüsselt erfolgt, also als offener Text mit Bildern? Da kann man doch versehentlich drauf kommen, im Rahmen von Recherchen über Internet-Sicherheit. Dabei ist es eher die Regel, dass Strategiepapiere früh mit Agenturen abgesprochen werden, damit die Produkte zeitgerecht lanciert werden können.

Die Namensgeber der neuen Branche haben auch Humor: Competetive Intelligence ist analog zur Central Intelligence Agency gewählt worden, die als CIA bekannt ist. Als einen Tätigkeitszweig hat sie, auch ganz analog zum großen Vorbild, die Counter Intelligence, die Abwehr von Versuchen, Informationen aus dem Inneren von Unternehmen zu erhalten.

Wie bei der gegenseitigen Bespitzelung unter Staaten stellen sich verschiedene Fragen zu Sinn und Wirkung dieser Dienste:

  • Bringen Sie bessere Ergebnisse, als die Marktbeobachtung, die von Marketingagenturen angeboten wird?
  • Wie kann der Auftraggeber die Ergebnisse prüfen und bewerten? Die Quellen dürften i.d.R. nicht aufgedeckt werden, also können sie auch nicht kritisch betrachtet werden.
  • Die Agenten der Competitive Intelligence stehen faktisch zwischen Auftraggeber und Konkurrent, wer ist da in welchem Falle was?
  • Braucht es besondere Risikoanalysen für den Umgang mit Auskunfteien und Konkurrenzausforschern?
  • Haben Sie wenigstens eine grundlegende Leitlinie für Informationssicherheit in Ihrem Unternehmen?

Die Formierung der Branche in einem Verein hat ein Gutes: Die Normalität solcher Aktivitäten wird sichtbar. Keiner sollte sagen, er hätte das nicht gewusst. Grundlegende Maßnahmen zur Sicherung vertraulicher Informationen sollte – aus verschiedenen Gründen – jedes Unternehmen treffen. IT-Grundschutz ist dafür eine gute Hilfe, wenn auch für kleine Einheiten nicht mehr überschaubar. Gesunder Menschenverstand, technisches Verständnis des Internet und Erfahrung helfen aber weiter.

Quelle: SZ, 25.11.2010, Seite 23 Detektive, Trolle und Spione, Fast alle Mittel sind recht, um an das Wissen der Konkurrenz zu gelangen. Eine ganze Industrie hat sich darauf spezialisiert.

Website des deutschen competitive intelligence forum e.v.

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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