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Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Tamiflu-Wirkung ungesichert – Grenzen der betrieblichen Pandemievorsorge

Die Cochrane Collaboration, eine unabhängige gemeinnützige medizinische Organisation, hat durch eine aktuelle Veröffentlichung die Zweifel bekräftigt, dass Grippemittel wie Tamiflu überhaupt eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf haben. Die Berichte erscheinen ziemlich eindeutig: Untersuchungen über die positive Wirkung haben einzig die Hersteller (Roche für Tamiflu und GlaxoSmithKlyne für Relenza) durchgeführt, diese Untersuchungen aber nie vollständig veröffentlicht. Der Stand der öffentlichen Diskussion von Medizinern weltweit lässt vermuten, dass anstelle von Tamiflu auch ein Bonbon genommen werden könnte.

Die Pandemievorsorge von Unternehmen sollte sich daher auf betriebliche Aspekte konzentrieren. Die Fürsorge für Mitarbeiter gehört dazu!, aber nur auf Basis gesicherter Erkenntnisse und soweit Persönlichkeit und Eigenverantwortung der Personen respektiert werden. Die Bevorratung von Medikamenten und mögliche medizinische Versorgung gehören auch dazu, sind teilweise auch vorgeschrieben. Jeder ist froh, wenn ein Erste-Hilfe-Köfferchen greifbar ist, wenn im Büro mal Blut fließt. Und in Produktion, Lager und Logistik oder in der Restaurantküche wird manchmal mehr gebraucht als ein Heftpflaster.

Unternehmen sollten die medizinische Fürsorge aber in engen Grenzen halten, zumindest in Regionen mit einer ausreichenden ärztlichen Versorgung. Für große Unternehmen kann es wirtschaftlich und menschlich sinnvoll sein, einen eigenen medizinischen Dienst aufrecht zu erhalten, ebenso Betriebe mit speziellen gesundheitlichen Risiken, die der praktizierende Arzt um die Ecke nicht schnell genug einschätzen kann.

Doch allgemein ist es viel sinnvoller, mit betriebsnahen Ärzten und Kliniken Kontakt zu halten, ggf. einen Arzt zu beauftragen, an der betrieblichen Vorsorge gegen gesundheitliche Risiken beratend mitzuarbeiten. Diagnose und Behandlung im Einzelfall sind sowieso Fälle für den Arzt.

Weitergehende Maßnahmen, gar die Verabreichung von Medikamenten, im Rahmen der Geschäftsprozesse bergen für alle Beteiligten weit höhere Risiken: Fehlbehandlung mit gesundheitlichen Schäden, Schadenshaftung für Vorgesetzte und Geschäftsleitung. Auch hierfür scheint Tamiflu ein Beispiel abzugeben, denn es werden starke unerwünschte Wirkungen berichtet.

Quellen

Süddeutsche Zeitung online vom 17.12.2010

Basler Zeitung online am 18.12.2010

The Cochrane Collaboration

Die Zweifel sind nicht neu:

Klaus Martin Höfer auf der Autorensite suite101.de am 9.12.2009

PreventDisease am 10.12.2009

Der einzige Wermutstropen der aktuellen Berichterstattung (wie auch in diesem Beitrag):  In dem Bericht der Cochrane Collaboration wird sowohl den medizinischen Fachkreisen bis hin zu den Gesundheitsbehörden vorgeworfen, dass sie die Quelle, in dem Fall die Hersteller des Medikaments, nicht hinterfragt haben. Das gilt auch für die Medien, sowohl professionelle Journalisten wie auch Fach-Blogs und Diskussionen in BCM-Kreisen. Dieselben Medien wiederholen jetzt unter gegenseitigem Zeitdruck einzig die Informationen der Cochrane Collaboration. Vergleiche die verlinkten Artikel in Süddeutscher und Basler Zeitung.

Die Ausgaben, die auch Unternehmen für Tamiflu getätigt haben, zeigen, dass eine kosten-nutzen-bewusste Wirtschaft eine freie und professionelle journalistische Berichterstattung benötigt. Die freie Presse ist von Unternehmern aufgebaut worden, die über ihren Tellerrand hinaus ihre Interessen wahrgenommen haben. Die vom Internet geforderte Mainstream-Berichterstattung gefährdet den wirtschaftlichen Informationswert.

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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