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Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Wirtschaftsspionage und ein anonymer Brief bei Renault

Der französische Autokonzern Renault plagt sich mit einem gravierenden Fall von Wirtschaftsspionage. Die Konzernleitung wurde durch ein anonymes Schreiben darüber informiert, dass Informationen über Konstruktion und Programmierung der Elektronik einer Fahrzeugklasse an einen ausländischen Konkurrenten verkauft wurden. Es wurden auch Namen von Führungskräften genannt, die daran beteiligt waren.

In der vergangenen Woche hat der Konzern Anzeige gegen Unbekannt erstattet, und er hat drei führende Mitarbeiter zu Personalgesprächen gebeten, um deren Entlassung einzuleiten. Die belasteten Personen verneinen jegliches schuldhafte Vergehen und betonen ihre persönliche Loyalität zu Renault.

Das Vorgehen und die öffentliche Reaktion in Frankreich zeigen typische Schwierigkeiten im Umgang mit anonymen Anzeigen. Da ist erst mal die Frage, ob einem solchen Schreiben zu trauen ist, ob ihm eine Gültigkeit anerkannt wird, und ob der Absender das Wohl des Adressaten im Auge hat. Nehmen wir, das Schreiben enthält Angaben, die überprüfbar und nachvollziehbar sind, bleibt immer noch die Frage, ob eine ausreichende Grundlage für weitere Maßnahmen vorliegt oder aufgedeckt werden kann. Werden öffentliche Maßnahmen eingeleitet sind negative Reaktionen wahrscheinlich, von Mitleid für die Beschuldigten (unsachliche Vorverurteilung) bis zu Vertrauensverlust in die Führung (Der Vorstand hat den Überblick verloren).

Die Klage gegen Unbekannt wurde in diesem Fall gewählt, um die Ermittlung aus dem Haus zu verlagern. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft zuständig. Es wird berichtet, dass auch die staatliche Spionageabwehr, der Inlandsgeheimdienst DCRI (Direction centrale du Renseignement intérieur), eingeschaltet wurde.

Interessant, dass die klassische Form des anonymen Briefes gewählt wurde, um den Verrat anzuzeigen. Dies erfordert doch ein gewisses Geschick, damit keine Spur zum Absender entdeckt werden kann. Entweder gibt es bei Renault kein Whistleblow-System, oder der Absender traute diesem System nicht.

Fazit? Deren gibt es mindestens zwei:

1. Wirtschaftsspionage gibt es wirklich.

2. Whistleblow-Systeme haben ihren Nutzen, doch zuerst sollten Identifikation und Vertrauen der Mitarbeiter gefördert werden – und die Identifikation nimmt statistisch mit der Höhe in der Hierarchie ab.

Quellen

Figaro online

Le Monde online

Handelsblatt online

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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