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Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Klimawandel – Thema oder nicht für BCM?

Diese Woche erschien in der Frankfurter Rundschau ein beunruhigender Bericht über die rapide Eisschmelze auf Grönland. Die globale Klimaerwärmung, ganz gleich wie sie zustande kommt, ist manifest und wird auch manifeste Auswirkungen haben. Ist dies ein Thema für Business Continuity Management?

Nein, weil BCM und auch Notfallmangement befassen sich mit einzelnen Störfällen und ihren Auswirkungen auf Betriebe. Naturkatastrophen können solche Störfälle sein oder auslösen. Aber BCM setzt eben nur im Betrieb an. Für die Katastrophenvorsorge und -abwehr ist der Staat zuständig. Langfristige Entwicklungen gehören überhaupt nicht dazu. Diese werden betrieblich in der Strategiebildung berücksichtigt.  Für die großen Versicherer und Rückversicherer sind die daraus sich ergebenden Risiken Gegenstand der Kalkulation von Risiken und Policen, also auch nicht im BCM angesiedelt.

oder

Ja, weil die große Veränderung sich in vielen kleinen Ereignissen zeigt, die als Störfälle die Betriebe treffen. Wenn die erste Sturmflut die Hauptstadt der Malediven überschwemmt, werden einige Betriebe in Male dicht machen. Dass Male irgendwann aufgegeben wird, dürfte sicher sein. Daraus ergeben sich allerdings nur reguläre Umzüge, auch wenn diese nicht freiwillig erfolgen. Die Bedrohung wichtiger Flussmündungsgebiete wie Nildelta oder große Teile von Bangladesh, wo Ganges und Brahmaputra ins Meer strömen, wird politische Folgen haben, die sich ebenfalls in einzelnen Ereignissen manifestieren.

Ja oder doch, das stellt die Frage nach Kriterien, nach denen Unternehmen prüfen sollten, ob der Klimawander in ihrem BCM-Programm berücksichtigt wird:

  • Welche Einzelereignisse werden von den Klimaforschern prognostiziert?

Z.B. erhöhte Wahrscheinlichkeit von Tornados, höhere Flutpegel, mehr Starkregen – immer bezogen auf einzelne Regionen.

  • Welche Ereignisse könnten unser Unternehmen betreffen?

Bezogen auf die Niederlassungen in betroffenen Regionen und die Art der möglichen Störung.

  • Spielt die Wahrscheinlichkeit eine Rolle?

BCM kümmert sich im Kern um erkannte Risiken mit großem Impact unabhängig von der Eintrittswahrscheinlichkeit. Letzteres stimmt in der Praxis nicht ganz, denn wenn es um Budgets für Prävention oder auch nur Übungen geht, wird durchaus gefragt, ob das überhaupt wirtschaftlich relevant ist. Und die Wahrscheinlichkeit spielt im Assessment eine Rolle, weil der Impact sich ändern könnte – nach oben, hin zu katastrophal.

  • Sind Lieferanten und / oder Lieferwege betroffen?

Durch die hochgradige Abhängigkeit von Lieferketten wird diese Frage immer wichtiger. Effizienzgewinne in den Lieferketten führen zu Wettbewerbsdruck, und da werden die Risikokosten ausgeblendet, bis es kracht. Aber, das passiert ja nur den anderen.

BCM und Risikomanagement sind Ansätze, die Umweltkosten in die Betriebe tragen, sofern die Auswirkungen direkt in die Wertschöpfungskette reichen. Die Unternehmen müssen also reagieren. Dies wird die betriebswirtschaftliche Rechnung ändern, aber nicht sehr stark. Solange die Gemeinschaft akzeptiert, dass die Umwelt anonym mit den Folgen zurechtkommt, wird sich das Verhalten einzelner nicht ändern. Wirtschaftlich gesteuertes Verhalten kann sich gar nicht ändern. Genau dies hat zur Folge, dass gerade BCM sich damit befassen muss, ebenso das Risikomanagement, denn hier ist die Wahrnehmung und Bewertung von Bedrohungen angesiedelt.

Das ist nicht zu verwechseln mit Katastrophenabwehr, das ist vielmehr Folgeneinschätzung.

Quelle Frankfurter Rundschau online

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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