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Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Aus sauren Gurken werden saure Sprossen – EHEC / HUS

EHEC / HUS – war da was?

Diese Wutz wurde ja in Windeseile durch’s Dorf getrieben. Ein Wirtschaftszweig wurde in Mitleidenschaft gezogen. Wirklich dramatisch aber war die “EHEC-Krise” für die 3.500 Erkrankten, die über 30 Toten und deren Angehörige.

Sehr seltsam allerdings war die Berichterstattung. Jeder Anlass war willkommen, die große Gefahr aufzuzeigen. Wenig erfuhr der interessierte Leser-Hörer-Gucker von den sachlichen Hintergründen. Da wurden erst Gurken als Gefahrenquelle identifiziert. Sachlich nachvollziehbar war, dass die krankmachende bis tödliche Form des Escherichia Coli auf Gurken in Hamburg gefunden wurde. Daraus war überhaupt nicht abzuleiten, dass Gurken Ursprung oder Träger des Bakteriums sind.

Der staatliche Schutzreflex geriet hier zur allergischen Immunstörung.

Escherichia Coli sind Darmbewohner bei Säugetieren. Sie gehören zu uns wie Nachbarn und andere liebe Mitbewohner, sie bilden einen Teil unseres Verdauungssystems. Einige Varianten sind aber ungesund, und einige, wie EHEC, sind wirklich gefährlich. Gurken und Sprossen haben aber kein Verdauungssystem. Der Stoffwechsel von Pflanzen ist einfach anders. Wenn also die üblen Bakterien auf Pflanzen gefunden wurden, und ein statistischer (kein kausaler) Zusammenhang mit dem Ausbruch der Krankheit HUS belegt werden konnte, heißt das, dass über die Gurken oder Sprossen oder was noch die Bakterien übertragen wurden. Aber sie sind niemals dort entstanden. Die Quelle, das erste Säugetier, bei dem die Mutation zu dieser Art stattgefunden hat, ein Mensch oder auch ein Rind, ist noch nicht erkannt worden, nicht einmal lokalisiert.

Vielleicht erfahren wir es auch einfach nicht. Für solche Feinheiten interessieren sich nun mal nicht genug Leute, und da kann die Medienlandschaft leider nicht weiter drauf eingehen. Die Epidemiologen werden dies sicher noch genauer erforschen.

Was lernen wir daraus? Wenig.

Oder: Bakterien sind keine Viren. Zu keinem Zeitpunkt droht eine Epidemie. Die Ansteckungswege waren schnell erkennbar und konnten eingekreist werden.

Oder: Staatlicher Schutz kann bedrohlich werden. Dies werden wir dauerhaft hinnehmen müssen, denn es gibt keine Alternative. Kommt der Staat oder kommen die Behörden der Schutzanforderung nicht nach, wird diese Funktion von anderen übernommen – Mafia, Sekten, Nachbarschaftsbanden, … Da hilft dann kein Klagen mehr. Der staatliche Schutz muss sich aber der Kritik stellen. Mehr noch, gestützt auf wissenschaftliche Methodik muss der Staat seine eigene Kritik betreiben und veröffentlichen.

Lessons learnt (ja doch, hier sind sie): Die Aufbereitung der Gefahrenabwehr muss frei sein von Schuldzuweisungen und angreifender Kritik. Dann kann nicht nur in den Studierstuben des Robert-Koch-Instituts, sondern auch in der Öffentlichkeit die Ursachenforschung zu dem Punkt gebracht werden, an dem wir praktisch etwas lernen können. Geduld und Nachhaltigkeit werden auch noch gebraucht. Es kann lange dauern, bis der Verlauf dieses Ausbruchs von EHEC richtig verstanden wird.

Momentan wissen wir nur, dass das wohl wieder so eine Laune der Evolution war, offenbar keine erfolgreiche, zum Glück für die meisten Menschen, und dass Evolution stattfindet, und dass so etwas jederzeit wieder geschehen kann und gelegentlich auch wieder geschehen wird.

Informationen beim RKI

Statistik des Verlaufs beim RKI

Und – auch wenn das RKI in den obigen Berichten von rückläufigen Fällen spricht, es ist noch nicht ausgestanden:

FR-Online

Wobei auch hier das Katastrophengerede den angemessenen Umgang mit der Realität vermissen lässt.

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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