IT security and other aweful matters

Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Tsunamiwarnung und die Faszination der Gefahr

Die Frankfurter Rundschau berichtete vor ein paar Tagen von einer unerwarteten Wirkung, die Tsunamiwarnungen in Neuseeland auslösen. Nachdem mehrere Male auf die Warnungen des Tsunamimeldezentrums auf Hawai keine oder nur sehr kleine Tsunamiwellen auf der Insel im Pazifik ankamen, entwickelte sich eine neue Neugierde auf Tsunamis. Wenn jetzt wieder mal eine Warnung eingeht, gehen ganze Schaaren von mutigen oder wissbegierigen Menschen an Strände und Häfen, um die ankommende Gefahr in Augenschein zu nehmen.
Das klingt reichlich gefährlich. Wer sich an die Berichte von dem großen Tsunami von Dezember 2004 erinnert, hält das kaum für möglich. Viele Menschen haben die große Tsunamiwelle gesehen, und viele haben sie nicht überlebt.
Dies löst Verwunderung aus. Verrückte, Katastrophenlüstlinge, Hasardeure, Angeber müssen das alle sein, die sowas tun. Kann sein, dass von denen auch viele dabei sind. Aber was löst das aus? Ist es nur irrational? Eine andere Erklärung könnte sein, dass große Unsicherheit vor einer Gefahr verschiedene Reaktionen auslöst, und eine davon kann es sein, sich der Gefahr zu vergewissern, ihr entgegenzutreten, um dann persönlich darauf zu reagieren. Dieses Verhaltensmuster mag aus einigem Abstand gesehen hier nicht angebracht zu sein, aber ganz abwegig ist es auch nicht.
Wer öfters “grundlos” gewarnt wird, fängt an, den Warnungen zu misstrauen. Wer die Warnungen gar nicht mehr ernst nimmt, reagiert auch gar nicht mehr darauf, geht seiner Arbeit nach oder bleibt bei der Beschäftigung, die er gerade tut. Wer aber misstrauisch ist und zugleich starke Zweifel hat, dass die Meldungen doch stimmen, muss sich innerlich sortieren, oder äußerlich die Zweifel beseitigen. Das geht am einfachsten, indem die Dinge geprüft werden.
Aus dieser Feststellung lassen sich praktische Schlüsse ziehen für eigene Warnsysteme im Rahemn eines Notfallplans oder BCP und auch für Mitteilungen in einer Krise. Zuerst einmal der Allgemeinplatz:
1. Warnungen müssen konkret sein, eine Handlungsaufforderung enthalten, und sie müssen bestmöglich wahrhaftig sein. Fehlalarme sind zu vermeiden! Das geht aber nicht immer. Eine Tsunamiwarnung mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 5/100 ist ernst zu nehmen, weil bei Eintritt der Verlust des Lebens droht. Und wenn so eine dramatisch lang aufgebaute Welle dann durc den Pazifik schwappt ohne Neuseeland zu treffen, ist das ein großes Glück, aber für den Warndienst nicht vorhersehbar.
2. Nicht überrascht sein, dass Menschen sich dann anders verhalten als geplant. Im Alltag eines Betriebes, auch eines Büros, lernen wir Kollegen und andere Mitmenschen nur teilweise kennen. Vor allem ihr Verhalten in Extremsituationen oder hier bei ausgerufener oder tatsächlicher Gefahr kennen wir nicht. Es ist niemandem geholfen, sich darüber zu befremden oder gar sich darüber zu erheben, was für absurde Dinge doch dieser oder jene tun, wenn ein Alarm gegeben wurde. Diesen Aspekt unvorhersehbaren menschlichen Handelns können auch Übungen nicht verhindern, denn Übungen bleiben Übungen. Sie sind wichtig, sie sind hilfreich, sie können das Ausmaß unvorhergesehener Verhaltensweisen mindern, und auch die Kommunikation im Krisenfall kann durch Übungen verbessert werden. Doch im Ernstfall werden ein paar Menschen sich nochmal anders verhalten.
3. Fehlalarme bedürfen einer Folgekommunikation. Es muss erklärt werden, warum er ausgelöst wurde, welche Indikatoren zugrunde lagen, ob es Alternativen der Interpretation gab, ob der Alarm an anderer Stelle seinen Zwecke erfüllt hat, und ob aus dem Fehlalarm Lehren gezogen werden konnten für den künftige Alarme bei gleichen Indikatoren. Eine solche Kommunikation vergrößert das Fundament für das Vertrauen in die warnende Stelle. Das ist das Wichtigste.
In Neuseeland haben offenbar einige Leute das Vertrauen in die warnende Stelle verloren und sie ersetzen dies durch eigene Beobachtung. Hier kommt noch der Faktor nationaler Identifikation hinzu, den Hawai ist ein Bundesstaat der USA, also Ausland. Für Menschen, die sich an nationalen Identitäten festhalten, ist das ein Faktor, der Misstrauen begründet. Das mag geistig beschränkt sein, aber es passiert.
Was die Warnenden unbedingt verstehen müssen: Die Warnung hat nur einen Zweck, wenn Sie die Gefährdeten erreicht und bei ihnen etwas auslöst. In der Bildungswissenschaft heißt es, Lernen kann nur der Lehrende. Der Lehrer kann den Lernprozess anregen, auslösen, unterstützen. Mehr nicht. Das gilt auch für Notfallpläne und BCPs. Manche Dinge können eindeutig geregelt werden, aber immer, wenn sie Personen (Mitarbeiter, Besucher, Kunden, Partner) schützen sollen oder zur Mitarbeit gewinnen wollen, müssen sie diese Personen erreichen. Nicht nur akustisch, auch innerlich. Recht haben, reicht nicht.

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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