IT security and other aweful matters

Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Hacker versus organisierte Kriminalität – eine dunkle Geschichte

Vor zwei Wochen ging die Meldung um, dass Anonymous sich mit einer mexikanischen kriminellen Organisation angelegt habe. Ein Mitglied von Anonymous sei verschleppt worden. Anonymous habe daraufhin damit gedroht, Angaben über diese spezielle Organisation zu veröffentlichen.

Gut und Böse kommen hier etwas durcheinander, die staatliche Ordnung kommt abhanden, und es wird diskutiert, ob das Cyberwar sei, was Anonymous da macht. Es ist aber eher ein dunkles Geschäft anarchischer Machtspiele.

Zuerst sei festgestellt, dass alle Berichte nur Gerüchte wiedergeben, und mehr wird auch nicht möglich sein. Die Drogenbande wird keine offizielle Pressemitteilung veröffentlichen, auch Namen werden nicht genannt. Anonymous veröffentlicht sehr wohl, aber Namen gibt es auch keine. Das ist verständlich, wenn die Geschichte stimmt, aber es macht die Geschichte unbrauchbar als Beispiel ethisch wertvollen Handelns.

Die Drohung von Anonymous beinhaltet implizit, dass sich die Gruppe selbst so einschätzt, zumindest so darstellt, dass extrem sensible Unterlagen einer Untergrundorganisation per Internet herausfinden und kopieren kann. Gilt das nur für verbrecherische Untergrundorganisationen? Und soll das heißen, dass die normalen Schutzmechanismen, die allenthalben empfohlen werden, nur vor Gelegenheitsdatenbrechern schützen?

Lässt sich ein Unternehmen aus der OK-Branche von Informatikern mehr beeindrucken als von der Polizei? Vielleicht. Das ist aber nicht gut. Anonymous hat nach der vorgeblichen Befreiung des Mitglieds aus der Gewalt der Verbrecher weitere Aktionen zur Enthüllung von deren Machenschaften abgebrochen. Sind sie dadurch mitschuldig an deren künftigen Untaten? Haben sie vielleicht schon Informationen über geplante Straftaten und geben diese nicht an die Ermittlungsbehörden?

Die Geschichte zeigt einen Mangel an Staat. Operativ ausgedrückt: Den Mangel an einer allgemein anerkannten und legitimierten Institution, die die Würde des Menschen durchsetzt, und dazu ein Gewaltmonopol unter demokratischer Kontrolle erhält und ausübt. Im realen, körperlich erfahrbaren Leben, ist in Mexiko der Staat aktuell nicht in der Lage, gegenüber der OK die Menschenwürde seiner Bürger zu schützen. Im Cyberleben versucht eine nicht kontrollierbare Gruppe die informationelle Selbstbestimmung zu verteidigen, mit unlauteren Mitteln. Die Diskussion über Datenschutz und Informationssicherheit wird dagegen in der Breite fast ausschließlich so geführt, dass zentrale Instanzen Schutz gewähren sollen, d.h. dass diese zentralen Instanzen Macht erhalten sollen. Das ist auch unumgänglich, entspricht sozusagen dem Gewaltmonopol. Aber es fehlt die Entsprechung der Menschenwürde in der Cyberwelt, die den Einzelnen befähigt, seine Privatsphäre zu schützen.

Das ist der Maßstab für eine humanistische Entwicklung des Internet.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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