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Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Facebook – das Geschichtenbuch

Facebook kommt mit einem neuen Feature – der persönlichen Chronik. Aus dem Gesichtsbuch wird ein Geschichtenbuch. Das ist ja alles ganz nett – in den Augen besonders wohlmeinender und unwissender Zeitgenossen.

Was ist neu und anders, wenn ein Mensch seine Lebensgeschichte in einer Internetseite eines großen Anbieters veröffentlicht, im Vergleich zu einer Plauderei in der Kantine oder bei einem gemeinsamen Ausflug mit Freunden?

Das ist der Verlust der Kontrolle über das eigene Leben, wie es die Anderen wahrnehmen. Und dass diese andere Wahrnehmung mehr Bedeutung hat.

Bei Facebook ist dies besonders deutlich, aber es gilt auch für andere Plattformen des Austauschs, auch für WordPress. Was ich hier schreibe, wird von anderen gelesen; das hoffe ich sogar. Außerdem wird es gespeichert. Was im Internet zu lesen ist, ist nur eine mögliche Oberfläche dieser gespeicherten Daten. Es gibt aber auch andere, und diese anderen Oberflächen und Auswertungen werden hinter dem Rücken der Urheber dieser Lebensgeschichten verkauft. Hierin ist Facebook sicher besonders effizient, und spätestens seit der Klage auf Herausgabe seiner Daten gegen Facebook Ireland ist bekannt, dass Facebook besonders scharf die einmal erfassten Daten zwecks Vermarktung vor den Inhabern des erfassten Lebens abtrennt. Was so nett daherkommt als Urlaubsfoto oder Foto aus dem eigenen Heim, ist zugleich Quelle für Vermarktungsstrategien.

Durch diese Abtrennung geht eine Selbstverständlichkeit verloren, nämlich die, dem Einen diesen Teil seines Lebens zu erzählen, und dem Anderen einen anderen Teil. Auch die hohe Kunst, über Dinge hinwegzusehen, wird künftig noch mehr Anstrengung erfordern. Diese Auslassungen, sowohl beim Erzählen als auch beim Hinhören und -schauen, ist aber für die Anbahnung neuer Beziehungen extrem wichtig. Neue Partner können sich schon denken, dass sie nicht die “Ersten” sind, das ist auch nicht mehr so wichtig, aber schon beim ersten Interesse möchte niemand darauf gestoßen werden. Der neue Arbeitgeber baut sich ohne Not ein einseitiges Bild auf, wenn Bewerber auf Aussagen in ihren Internetseiten geprüft werden.

Natürlich, es ist schon sehr daneben, über einen Bewerber Informationen hinter dessen Rücken einzuziehen, und nicht direkt zu fragen, was einem wichtig erscheint. Menschen sind Wesen mit sehr verschiedenen Seiten, und die Eigenschaften, Verhaltensweisen und Erfahrungen, die am Arbeitsplatz gefordert werden, sind nicht die, die auch privat dominieren müssen, oder gezeigt werden.

Aber getan wird es. Und der Betrachter der Lebensgeschichte interpretiert diese auf jeden Fall anders als der Autor – in einem anderen Moment, mit anderer persönlicher Erfahrung, mit einem anderen Interesse.

Das Fatale für den Urheber der Geschichte: Er / sie hat sie nicht mehr im Griff. Einmal publiziert, wird sie gespeichert. Von der Plattform. Von Cachesystemen wie sie Google betreibt. Von Auskunfteien, die dies gezielt verwerten. Von staatlichen Überwachungsorganen. Schön, wenn Sie die Seite überarbeiten und ihre Lebensgeschichte neu erstellen oder löschen – einmal gepostet ist es nicht nur öffentlich, sondern auch so eingefroren und veröffentlicht.

Trifft das jeden? Nein, aber immer mehr. Denn noch gilt der naivie Glaube “Plattenplatz kostet nichts”, und deshalb werden mehr Kopien angefertigt als man sich träumen lässt.

Daher Augen auf im Internetverkehr – und genau überlegen, was man dort zeigt. Es lässt sich ja auch umdrehen: Die Legende veröffentlichen, und die Geschichte darstellen, die gut ankommt. Wer sich dazu entstchließt sollte aber unbedingt darüber nachdenken und vorher andere um Feedback bitten, wie die Legende von Dritten wahrgenommen wird. Denn auch für die Legende gilt – Einmal geschrieben ist sie außer Kontrolle.

Das Muster bei Facebook – about timeline

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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