IT security and other aweful matters

Of computer mice and men – for availability, integrity and privacy

Manager ohne Krisenfähigkeit – zwei Fehlbesetzungen

Es ist schon oft behauptet worden, dass Krisenmanager über andere Kompetenzen verfügen müssen als die Manager des Tagesgeschäfts. Die Erkenntnisse der Psychologie, sowohl der allgemeinen wie auch der Organisationspsychologie, bestätigen diese Annahme. Der Stress, dem sich ein Vorstand im Tagesgeschäft stellt, ist ein anderer, als der, dem er in der Krise ausgesetzt ist. Viele Analysen empfehlen in Konsequenz, dass in einer Krise eine andere Person mit Kompetenz für Krisenbewältigung und Krisenkommunikation die Führung übernehmen soll.

Zwei Beispiele der jüngsten Zeit haben gezeigt, dass dies eine Lösung ist, die nicht zum Problem passt, zumindest nicht zu einer bestimmten Phase einer Krise. Ich meine den Untergang der Costa Concordia und den Untergang von Christian Wulff.

Der Kapitän der Costa Concordia war offenbar ein Risiko affiner Mensch, so wird er jedenfalls anhand von Berichten Dritter, die ihn gekannt haben sollen, geschildert. Er soll riskant Auto gefahren sein, auch Bus, und er fuhr schon ein paar Mal riskant nah an die Insel Giglio, das letzte Mal dann so nah, dass er das Schiff, für das er verantwortlich war, auf ein Riff steuern ließ. Es wäre immerhin auch in der Verantwortung des Steuermanns gewesen, diese Route zu verweigern. Als dann das Schiff Schlagseite bekam, war der Kapitän dann sehr früh von Bord. In die Psyche des Kapitäns lässt sich also vermuten, dass er ein ängstlicher Mensch war, der seine Angst durch besondere Risikofreude in Schach hielt.

Jan Willem van de Wetering schildert einen solchen Menschen, der sich seinen Ängsten stellt, in dem Krimininalroman “De blonde Aap”. Der allerdings riskiert dazu nicht das Leben anderer, sondern konfrontiert sich mit Angstgebilden, um im täglichen Leben bewusst und verantwortlich handeln zu können.

Der Fehler lag hier also vorrangig in der Besetzung des Kapitänspostens durch diesen Herrn, der so unverantwortlich handelte. Es lässt sich ahnen, dass diese Inkompetenz hätte erkannt werden müssen – und können. Wer in riskanter Fahrt einen Bus über Landstraßen steuert, ist wahrscheinlich kein guter Krisenmanager. Das ist mal eine Hypothese, die zu prüfen wäre. Aber auch im täglichen Betrieb ist ein Manager nicht am richtigen Posten, wenn er sein Schiff gefährlich nach an Klippen heranführt, auch dann nicht, wenn es wieder mal gut geht. Es war daher zwar aus Empörung richtig, aber sachlich falsch oder hinderlich, dass ein Hafenkommandant diese Person wieder zurück aufs sinkende Schiff beordern wollte. Der hätte dort nur noch mehr Unheil angerichtet, zumidendest wäre er ein weiteres zu bergendes Opfer gewesen, und kein Retter.

Der Fall zeigt für die erste Aussage, dass Manager und Krisenmanager verschiedene Kompetenzen brauchen .. nichts. Die Aussage wird weder unterstützt, noch wiederlegt, denn offenbar war dies eine durchgehende Fehlbesetzung.

Der Untergang des Christian Wulff, vormals Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, zeitigte erst in der Krise die entscheidende Unfähigkeit, nämlich die mangelnde soziale Kompetenz für den Umgang mit einer persönlich belastenden Situation. Ein amtierender Bundespräsident, der persönlich einem Chefredakteur eines Boulevardblattes auf den Anrufbeantworter spricht, ohne sich vorher mit seinen Beratern abzustimmen, ist offenbar der falsche Mann am Platz. Auch diese Fehlbesetzung war vorher erkennbar durch den allzu vertrauten Umgang als Ministerpräsident mit Geld und Glamour.

Hier allerdings wird etwas erkennbar, was der ersten Aussage zumindest eine Richtung nimmt, nämlich jeder Verantwortliche muss bestimmten persönlichen Stresssituationen oder Krisen gewachsen sein. Solche Krisen kommen ja nicht immer (manchmal schon) mit langer Vorankündigung, sondern aus dem Tagesbetrieb heraus. Und allein die Entscheidung, den Notfall auszurufen und das Krisenmanagement einzuberufen, verlangt ja eine erste Krisenresistenz. (Nicht Resilienz, die zeigt sich erst später.)

Daraus folgt: Jeder Verantwortliche, Manager, Geschäftsführer, Kapitän, Vorstand (bitte alles auch in weiblicher Form) muss sich darauf vorbereiten, dass Situationen auftreten, die ihn / sie überraschen und im Innersten angreifen, und auf die er / sie zumindest so reagieren können muss, dass Schaden vom Unternehmen oder von Dritten ferngehalten wird oder begrenzt wird. Das kann auch die Weitergabe des Kommandos sein, oder auch die sichere Übernahme der Reaktion.

Hierauf sollte eine Kombination von Kenntnissen des Notfallmanagements und der Psychologie genutzt werden, um Führungskräfte vorzubereiten.

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Author: TTeichmann

IT is my business since 1985, focused on IT security since 1999. I built up several IT networks as security based architectures. In 2007 business continuity management came into my portfolio. I feel open minded, keeping an eye on things evolving, trying to find solutions that meet business needs while security requirements are kept high. ITsec, ITSCM and BCM are necessarily part of cost efficient IT delivery today.

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